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Verlustaversion

Kurz

Verluste schmerzen stärker als Gewinne freuen.

Was man hat, das hat man.

Definition

Verlustaversion ist die Tendenz, dass ein Verlust subjektiv stärker wirkt als ein gleich großer Gewinn. Menschen meiden Risiken, wenn es um Gewinne geht, und suchen Risiken, um Verluste zu vermeiden.

Das führt dazu, dass Entscheidungen nicht nach dem Erwartungswert getroffen werden, sondern nach dem Gefühl, Verluste zu vermeiden.

EN: Loss Aversion

Verwandschaft

Verlustaversion hängt eng mit mehreren anderen Verzerrungen und Effekten zusammen:

  • Besitztumseffekt (Endowment Effect): Besitz wird höher bewertet, weil ein möglicher Verlust schmerzt.
  • Status-quo-Bias: Veränderungen werden gemieden, da sie mögliche Verluste mit sich bringen könnten.
  • Versunkene-Kosten-Falle: Bereits investierte Ressourcen werden durch weitere Investitionen "geschützt".
  • Framing-Effekt: Die Darstellung als Gewinn oder Verlust verändert Entscheidungen.
  • Dispositionseffekt: Anleger halten Verlierer-Aktien zu lange und verkaufen Gewinner zu früh.

Beispiele

Preis- und Gebühren-Framing

"5 € Gebühr" wird stärker gemieden als "5 € entgangener Rabatt", obwohl es ökonomisch gleich ist.

Geldanlage

Verluste werden "ausgesessen", Gewinner werden früh verkauft, um Gewinne "einzusperren". Das verschlechtert die Rendite.

Versicherungen und Garantien

Überhöhte Prämien für Geräteversicherungen und Garantien, um kleine, unwahrscheinliche Verluste zu vermeiden.

Vertragskündigungen und Probezeiten

"Nicht verlieren, was man hat": Probeabos werden behalten, teure Verträge nicht gekündigt – rein aus Verlustangst.

Medizin und Risikoaufklärung

"90 % Überlebensrate" wirkt anders als "10 % Sterblichkeit" – identische Zahlen, unterschiedliche Entscheidungen.

Auswirkungen

  • Risikovermeidung bei Chancen: Gute Gelegenheiten werden verpasst.
  • Risikosuche bei drohendem Verlust: Schlechte Situationen werden durch riskantes Verhalten verschlimmert.
  • Beharrungstendenz: Unzweckmäßige Status-quos werden festgehalten.
  • Schlechtere Finanzergebnisse: Dispositionseffekt und falsches Framing.
  • Manipulationsanfälligkeit: Marketing und Politik nutzen Verlust-Framing strategisch.

Gegenstrategien

  • Erwartungswert prüfen: Entscheidungen nach langfristigem Mittelwert statt Gefühlen treffen.
  • Stop-Loss/Regeln vorab definieren: Klare Ausstiegs- und Entscheidungsregeln vor dem Risiko festlegen.
  • Framing neutralisieren: Gewinne/Verluste in absolute Zahlen und Wahrscheinlichkeiten übersetzen.
  • Pre-Mortem: Verluste antizipieren, ohne sie überzugewichten.
  • Opportunitätskosten berücksichtigen: Was geht verloren, wenn man am Status quo festhält?

Quellen

  • Kahneman, D., & Tversky, A. (1979). Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk.
  • Thaler, R. (1980). Toward a positive theory of consumer choice.
  • Wikipedia: Verlustaversion Verlustaversion Die Tendenz, Verluste höher zu gewichten als Gewinne.