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Merkmale guter Argumente

Ein gutes Argument zeichnet sich durch mehrere Qualitätsmerkmale aus, die wir im Folgenden genauer betrachten werden.

Klarheit

Ein gutes Argument ist klar formuliert. Das bedeutet:

  • Die verwendeten Begriffe sind präzise definiert und werden konsistent verwendet.
  • Die Struktur des Arguments ist erkennbar: Prämissen und Schlussfolgerung sind deutlich zu unterscheiden.
  • Komplexe Ideen werden in verständliche Teile zerlegt.

Beispiel für ein klares Argument: "Da alle Säugetiere Lungen haben (Prämisse 1) und Wale Säugetiere sind (Prämisse 2), haben Wale Lungen (Schlussfolgerung)."

Beispiel für ein unklares Argument: "Wale sind irgendwie anders als Fische, daher müssen sie auf eine andere Art und Weise atmen."

Relevanz

Die Prämissen eines guten Arguments sind relevant für die Schlussfolgerung. Sie tragen tatsächlich dazu bei, die Schlussfolgerung zu stützen.

Beispiel für ein Argument mit relevanten Prämissen: "Diese Behandlungsmethode hat in klinischen Studien mit tausenden Patienten eine Erfolgsrate von 85% gezeigt. Daher ist sie wahrscheinlich auch für deinen Fall wirksam."

Beispiel für ein Argument mit irrelevanten Prämissen: "Diese Behandlungsmethode wird von einem berühmten Arzt empfohlen, der schon viele Prominente behandelt hat. Daher ist sie wahrscheinlich auch für deinen Fall wirksam."

Angemessenheit

Die Prämissen eines guten Arguments sind angemessen, d.h. sie sind ausreichend, um die Schlussfolgerung zu stützen, und sie sind selbst gut begründet oder plausibel.

Beispiel für ein Argument mit angemessenen Prämissen: "Die durchschnittliche Temperatur auf der Erde ist in den letzten 100 Jahren um 1°C gestiegen (gut dokumentierte Tatsache). Menschliche Aktivitäten haben den CO2-Gehalt in der Atmosphäre erhöht (gut dokumentierte Tatsache). CO2 ist ein Treibhausgas, das Wärme in der Atmosphäre speichert (wissenschaftlich etablierter Mechanismus). Daher tragen menschliche Aktivitäten zur globalen Erwärmung bei."

Beispiel für ein Argument mit unangemessenen Prämissen: "Es war letzten Winter besonders kalt in meiner Stadt. Daher ist die globale Erwärmung ein Mythos."

Widerlegbarkeit

Ein gutes Argument ist prinzipiell widerlegbar, d.h. es gibt mögliche Bedingungen, unter denen es als falsch erwiesen werden könnte. Argumente, die so formuliert sind, dass sie unter keinen Umständen widerlegt werden können, sind oft problematisch.

Beispiel für ein widerlegbares Argument: "Alle bisher beobachteten Schwäne waren weiß. Daher sind wahrscheinlich alle Schwäne weiß." (Dieses Argument könnte durch die Beobachtung eines nicht-weißen Schwans widerlegt werden.)

Beispiel für ein nicht widerlegbares Argument: "Es gibt unsichtbare Geister, die verschwinden, sobald man versucht, sie zu messen oder zu beobachten." (Dieses Argument ist so konstruiert, dass es nicht widerlegt werden kann.)

Verhältnismäßigkeit

Ein gutes Argument berücksichtigt die Stärke der Schlussfolgerung im Verhältnis zur Stärke der Prämissen. Je stärker oder weitreichender die Behauptung, desto stärkere Belege werden benötigt.

Beispiel für ein verhältnismäßiges Argument: "In mehreren kontrollierten Studien wurde gezeigt, dass dieses Medikament bei etwa 60% der Patienten mit dieser Erkrankung wirksam ist. Daher könnte es eine Option für deine Behandlung sein, obwohl es keine Garantie für Erfolg gibt."

Beispiel für ein unverhältnismäßiges Argument: "Mein Nachbar hat dieses Medikament genommen und sich besser gefühlt. Daher wird es definitiv auch bei dir wirken und alle deine Symptome beseitigen."