Präsumptionsfehlschlüsse
Präsumptionsfehlschlüsse basieren auf unbegründeten oder problematischen Annahmen.
1. Falsche Dichotomie (Falsches Dilemma)
Bei diesem Fehlschluss werden nur zwei Alternativen präsentiert, obwohl es tatsächlich mehr Möglichkeiten gibt.
Beispiel: "Entweder unterstützen Sie diese Maßnahme, oder Sie sind gegen den Fortschritt."
Warum ist das fehlerhaft? Es gibt möglicherweise andere Positionen, z.B. könnte man für den Fortschritt sein, aber andere Maßnahmen bevorzugen.
2. Komplexe Frage (Loaded Question)
Eine komplexe Frage enthält eine versteckte Annahme, die der Befragte durch jede direkte Antwort implizit akzeptiert.
Beispiel: "Haben Sie aufgehört, Ihre Steuern zu hinterziehen?"
Warum ist das fehlerhaft? Unabhängig davon, ob die Antwort "ja" oder "nein" lautet, akzeptiert der Befragte implizit die Annahme, dass er in der Vergangenheit Steuern hinterzogen hat.
3. Petitio Principii (Zirkelschluss, Begging the Question)
Bei diesem Fehlschluss wird die Schlussfolgerung bereits in den Prämissen vorausgesetzt.
Beispiel: "Die Bibel ist das Wort Gottes, weil sie selbst sagt, dass sie von Gott inspiriert ist."
Warum ist das fehlerhaft? Die Behauptung, dass die Bibel das Wort Gottes ist, wird durch einen Verweis auf die Bibel selbst begründet, was zirkulär ist.
4. Post Hoc Ergo Propter Hoc (Danach, also deswegen)
Dieser Fehlschluss nimmt an, dass ein Ereignis, das nach einem anderen Ereignis eintritt, durch dieses verursacht wurde.
Beispiel: "Ich habe einen schwarzen Hut getragen, und dann hat es geregnet. Schwarze Hüte verursachen also Regen."
Warum ist das fehlerhaft? Die zeitliche Abfolge allein beweist keine Kausalität. Es könnte sich um einen Zufall handeln, oder es könnten andere Faktoren im Spiel sein.
5. Cum Hoc Ergo Propter Hoc (Mit diesem, also deswegen)
Ähnlich wie Post Hoc, aber hier wird von einer Korrelation auf Kausalität geschlossen.
Beispiel: "In Ländern mit hohem Schokoladenkonsum gibt es mehr Nobelpreisträger. Also macht Schokolade intelligenter."
Warum ist das fehlerhaft? Korrelation impliziert nicht Kausalität. Es könnte andere Faktoren geben, die sowohl den Schokoladenkonsum als auch die Anzahl der Nobelpreisträger beeinflussen (z.B. Wohlstand, Bildungssystem).
6. Slippery Slope (Dammbruchargument)
Dieser Fehlschluss behauptet, dass ein relativ kleiner erster Schritt unweigerlich zu einer Kette von Ereignissen führen wird, die in einem katastrophalen Ergebnis enden.
Beispiel: "Wenn wir Cannabis legalisieren, werden bald alle harten Drogen legal sein, und die Gesellschaft wird im Chaos versinken."
Warum ist das fehlerhaft? Es wird ohne ausreichende Begründung angenommen, dass ein Schritt notwendigerweise zu einer ganzen Kette von Ereignissen führen wird. Die kausale Verbindung zwischen den einzelnen Schritten wird nicht belegt.
7. Argumentum ad Ignorantiam (Appell an die Unwissenheit)
Dieser Fehlschluss behauptet, dass etwas wahr sein muss, weil es nicht als falsch bewiesen wurde, oder umgekehrt.
Beispiel: "Niemand hat bewiesen, dass Geister nicht existieren. Also müssen sie existieren."
Warum ist das fehlerhaft? Die Abwesenheit von Beweisen gegen eine Behauptung ist kein Beweis für die Behauptung. Die Beweislast liegt bei demjenigen, der eine positive Behauptung aufstellt.