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Eigengruppenbevorzugung

Kurz

Wir bevorzugen "uns" gegenüber "den anderen".

"Blut ist dicker als Wasser." "Das ist einer von uns."

Definition

Eigengruppenbevorzugung ist die Tendenz, Mitglieder der eigenen ("Ingroup") gegenüber Mitgliedern einer anderen ("Outgroup") systematisch zu bevorzugen – in Bewertungen, Entscheidungen, Vertrauen und Ressourcenzuteilung.

Die Zugehörigkeit allein – oft schon bei Minimalgruppen (zufällige Einteilung) – reicht aus, um spürbare Bevorzugungen zu erzeugen.

EN: Ingroup Favoritism / Ingroup Bias

Verwandschaft

Die Eigengruppenbevorzugung hängt eng mit mehreren anderen Verzerrungen und sozialpsychologischen Mechanismen zusammen:

  • Outgroup-Abwertung (Outgroup Derogation): Außenstehende werden strenger beurteilt oder benachteiligt.
  • Stereotyping: Vereinfacht Zuschreibungen an Gruppen; begünstigt positive Klischees für die Ingroup.
  • Halo-Effekt: Positive Eigenschaften der eigenen Gruppe färben auf Einzelbewertungen ab.
  • Fundamentaler Attributionsfehler: Erfolge der Ingroup werden intern (Fähigkeit), Fehler der Outgroup extern (Umstände) erklärt.
  • Gruppendenken (Groupthink): Konformitätsdruck innerhalb der Ingroup reduziert Kritik und Alternativen.
  • Konformität (Asch-Experiment): Anpassung an Gruppenurteile, selbst gegen bessere Einsicht.

Beispiele

Bewerbungen und Beförderungen

Vorgesetzte bewerten Kandidaten aus der "eigenen Schule/Abteilung/Netzwerk" wohlwollender, geben mehr Vertrauensvorschuss und interpretieren Fehler milder.

Sportfans und Schiedsrichterurteile

Fans sehen identische Szenen je nach Teamzugehörigkeit verschieden; Schiedsrichter werden als "gegen uns" wahrgenommen, Entscheidungen zugunsten der Ingroup gelten als "gerecht".

Kundendienst und Stammkunden

Stammkunden ("gehören zu uns") erhalten schnellere, freundlichere Hilfe; neue oder "fremde" Kundengruppen werden strenger behandelt.

Politik und Identität

Argumente der eigenen politischen Lager werden großzügiger bewertet; dieselben Argumente aus der "anderen Seite" gelten als "Propaganda".

Minimalgruppen-Paradigma (Tajfel)

Schon zufällige Einteilungen (z. B. Präferenz für Gemälde A vs. B) führen dazu, dass Menschen eigene Gruppenmitglieder bevorzugt belohnen – ohne echte Geschichte oder Konflikt.

Auswirkungen

  • Unfaire Entscheidungen: Chancen, Noten, Ressourcen werden verzerrt vergeben.
  • Diskriminierung und Polarisierung: Verstärkt Graben zwischen Gruppen; Feindbilder entstehen.
  • Verlust an Qualität: Objektive Kriterien werden verdrängt; schlechtere Entscheidungen.
  • Blindheit für Fehler: Ingroup-Fehlleistungen werden verharmlost, Outgroup-Fehler überbetont.

Gegenstrategien

  • Klare, objektive Kriterien: Entscheidungen an vorab definierten Maßstäben prüfen.
  • Anonymisierte Verfahren: Namen/Zuordnungen verbergen (Blind Auditions, Blind Reviews).
  • Diversität in Entscheidungsgremien: Mehr Perspektiven senken Ingroup-Bias.
  • Rollenwechsel/"Perspective Taking": Systematisch aus der Sicht der Outgroup bewerten.
  • Checks & Audits: Entscheidungsdaten auf Muster von Bevorzugung/Benachteiligung analysieren.

Quellen

  • Wikipedia: Ingroup bias
  • Tajfel, H. (1970/1971). Experimente zum Minimalgruppen-Paradigma.
  • Tajfel, H., & Turner, J. C. (1979). Social Identity Theory.
  • Brewer, M. B. (1999). The psychology of prejudice: Ingroup love vs. outgroup hate.